06.11.2008
Lausitzer Rundschau
Ein Widerständiger bricht
auf
Ein Vierteljahrhundert lang hat Pfarrer Ernst-Günter
Heide in Krausnick, Neu Schadow und Neu Lübbenau Andachten und Predigten
gehalten, getauft, vermählt, zu Grabe getragen. Er war viele Jahre lang stellvertretender
Superintendent im Kirchenkreis, ist Mitglied im Kreiskirchenrat, Aufsichtsratsvorsitzender
des Diakonischen Werkes in Lübben, Ansprechpartner in der Suchthilfe und
Mitbegründer des Lübbener Forums gegen Gewalt, Rechtsextremismus und
Fremdenfeindlichkeit. Jetzt wendet er sich neuen Aufgaben zu und wird Gefängnisseelsorger
in der Dubener Justizvollzugsanstalt.
Foto:
Ingvil Schirling
Herr Heide, wie blicken Sie auf die
25 Jahre als Pfarrer in Krausnick, Neu Schadow und Neu Lübbenau zurück,
und was hat sie bewogen zu gehen?
Es ist schon seltsam, wenn ich denke, ,25
Jahre lang warst du jetzt hier. Das ist eine lange Zeit. Es gibt einen hohen
Grad an Vertrautheit, man gehört dazu, es gehört sich so. Für mich
war die Zeit in jeder Hinsicht gut, aber ich glaube nicht, dass von mir ausgehend
etwas Neues kommen würde, und von der Gemeinde auch nicht.
Wie
geht es für die Krausnicker weiter?
Die Stelle wird neu besetzt. Schlepzig
wird dazukommen. Denn durch Wegzug und Sterben ist die Zahl der Gemeindemitglieder
geschrumpft.
Welches waren die herausragenden Ereignisse
Ihrer Zeit in Krausnick?
Zu DDR-Zeiten beispielsweise die Tiefflüge, ausgehend
vom Militärstützpunkt Brand, manchmal alle 15, 20 Sekunden. Es war dann
unmöglich, eine ordentliche Beerdigung durchzuführen oder sich im Pfarrhaus
bei geschlossenen Fenstern zu unterhalten. Es war auch schwierig, mit den Behörden
darüber in Kontakt zu kommen, das zeigte sich später auch in meiner
Stasi-Akte.
Wie dick war sie?
Einigermaßen
dick. Es ist noch nicht alles gesichtet. Die Stasi hat schon früh versucht,
mich zu gewinnen, nach dem Motto: ,Wenn Sie mit uns zusammenarbeiten, können
Sie alles studieren. Ich kündigte an, sofort nach diesem Gespräch
mit meinem kirchlichen Betreuer darüber zu sprechen. Von daher war ich für
die Stasi verbrannt, aber man hat dann versucht, über andere Leute an mich
heranzukommen.
Gab es darüber Überraschungen,
als Sie Ihre Akte eingesehen haben?
1983 war ich in Wittenberg zum Lutherjahr,
da hatte sich die Stasi schon warmgelaufen. Ein Tourist erbat von mir eine Führung
durch die Schlosskirche. Später stellte sich heraus, dass er ein hessischer
Minister war. In der Akte gab es eine genaue Dokumentation der Tour mit Fotos
aus großer Nähe. Da muss mir einer dicht auf den Fersen gewesen sein,
das fand ich schon putzig.
Später, im Zusammenhang
mit meinem Rücktritt als stellvertretender Superintendent, holte mich das
Thema von ganz anderer Seite ein. Das hätte ich nie gedacht. Ich wurde mit
dreckigen Stasi-Methoden unter Druck gesetzt. Das hat mich fast aus dem Anzug
gehoben. Kurz darauf habe ich die Betreffenden deshalb zur Rede gestellt.
Der
Konflikt zwischen Ihnen und dem Kreiskirchenrat zog sich monatelang hin. Am Ende
schien die Auflösung der Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Superintendentin
Ulrike Voigt die einzige Lösung. Sie hatten die Rolle des Kritikers, des
Unangepassten.
Ich habe sie mir nicht ausgesucht. Aber ich kann nicht anders
als Dinge, die ich sehe, auch anzusprechen. Es geht mir nicht darum zu stören.
Mir ist sehr an Harmonie gelegen, wie vielen anderen auch. Aber nicht um jeden
Preis. Ich kann nicht verschweigen, dass diese Erfahrungen es mir leichter gemacht
haben, nach neuen Aufgaben Ausschau zu halten.
Was
hat Sie in den vergangenen 25 Jahren besonders geschmerzt?
Einige Erfahrungen
mit Kollegen in unterschiedlichen Positionen. Ich hätte es nicht für
möglich gehalten, dass sich so viel Unfähigkeit hinter manchem Amtsträger
verbirgt. Ich hatte hohen Respekt vor ihnen und viel Verständnis dafür,
dass Fehler gemacht werden. Aber nicht, wenn es nicht möglich ist, darüber
zu reden und auch nicht dafür, dass Fehler auf andere geschoben werden.
Die
Gemeinde hat mich davor bewahrt, darüber bitter zu werden. Besonders in der
Gemeinde habe ich kirchlich engagierte Menschen kennengelernt, die mich getragen
haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Heute sage ich, dass ich 25 Jahre lang
das höchste Amt bekleidet habe, das man in der Kirche haben kann das
des Dorfpfarrers.
Das heißt, aus Ihrer Sicht
ist er derjenige, der am meisten wissen muss und höchst entfaltete menschlichen
Qualitäten haben muss?
Ja alles andere sind übergestülpte
Machtstrukturen. Ich bin dafür, dass Leitungsträger auf mittlerer Ebene
eine solide Zusatz-Ausbildung bekommen. Es reicht dafür nicht, ein guter
Pfarrer zu sein, und mit gutem Willen kommt man auch nicht allzu weit. Heutzutage
muss man in diesen Positionen einiges über Personalführung wissen und
mit Wirtschaftsfragen umgehen können.
Was muss
ein guter Pfarrer können?
Er muss sich in allen Bereichen auskennen, Bau,
Wirtschaft, Personal alles. Und er muss Nein sagen können. Es gibt
viele Erwartungen, die an die Rolle des Pfarrers herangetragen werden. Wenn man
denen nachgeben würde, käme man in eine völlig aussichtslose Situation.
Man muss Prioritäten setzen können. Und auf der kirchenpolitischen Ebene
geht es manchmal nur um Machtfragen. Dann sollte man frei genug sein, Nein zu
sagen, ,hier mache ich nicht mit. Das bedarf eines gefestigten Standpunktes
vor Gott.
Was kann das Christentum den Menschen heute
bieten?
Die Gewissheit, dass wir nicht abhängig sind von dem, was uns
andere glauben machen möchten. Unser Wert und das, was wir sind, ist nicht
abhängig von dem, was andere Menschen denken. Für mich ist es so etwas
wie: ,Was immer ihr macht, ihr werdet mich aus Gottes Hand nicht rauskriegen.
Wer das erfahren hat, der kann nicht anders, als in dieser Welt widerständig
zu sein. Was mich so schmerzt an diesen Kirchenstrukturen ist, dass den Leuten
oft Steine gereicht werden, statt sie mit Brot zu speisen. Die frohe Botschaft
wird ihnen nicht immer so gesagt, und das wäre doch das Pfund, mit dem die
Kirche wuchern könnte. Es gab Zeiten, da hat die Kirche die Gesellschaft
geprägt. Es erschüttert mich, jetzt festzustellen, wie stark die Gesellschaft
die Kirche prägt.
Ihre Hochachtung vor der Aufgabe
des Dorfpfarrers lässt vermuten, dass diese Aufgabe Sie sehr beglückt
hat.
Es war schön, in dieser Gemeinschaft zu wachsen, mit einigen älter
zu werden, die Kompetenzerweiterung zu spüren, denn man wächst ja mit
seinen Aufgaben. Es gab zu DDR-Zeiten eine große Solidarität im Dorf,
die mich auch geprägt hat und große Freiheiten eröffnet hat. Ich
erinnere mich gern daran, dass an der Neu Lübbenauer Kirche die Uhr fehlte.
Nur das Ziffernblatt war aufgemalt.
Die Uhr sollte
20 000 DDR-Mark kosten. Also starteten wir eine Sammelaktion an einem Samstagvormittag.
Zu jeder Stunde läutete die Glocke, um daran zu erinnern. In vier Stunden
kamen 25 000 Ostmark zusammen, davon haben wir locker die Uhr bezahlt und noch
ein paar kleinere Reparaturen. Das hätte ich nicht für möglich
gehalten. Es war eine schöne Erfahrung, hier Leute zu finden, die mitmachen,
engagierte und treue Wegbegleiter. Es gibt aber auch Gemeinden, da steht man alleine
da.
Was erwarten Sie jetzt von Ihrer neuen Aufgabe?
Ich
bin gern Seelsorger, und jetzt nur mit Menschen zu arbeiten, finde ich eine spannende
Aufgabe, mehr noch unter den besonderen Gegebenheiten eines Gefängnisses.
Es ist schon eine besondere Herausforderung, es mit Menschen zu tun zu bekommen,
die Täter sind. Ich habe Respekt davor, mit Menschen umzugehen, die unschuldig
sind was glaubt man wem?, ist dann die Frage. Auch für die Mitarbeiter
ist es nicht einfach, diesen Dienst zu machen.
Ich
bin gespannt, ob es mir gelingen wird, so etwas wie einen Besuchsdienst aufzubauen,
damit der Kontakt zur Außenwelt da ist und ein Wiedereinstieg gelingen kann.
24.10.2008
Lausitzer Rundschau
Schlepzig schickt Pläne für
neues Wohngebiet ins Archiv
Die Gemeinde Schlepzig
hat sich endgültig von dem Vorhaben verabschiedet, auf einer Brachfläche
mitten im Ort ein großes neues Wohngebiet entstehen zu lassen. Die dazu
vor 15 Jahren begonnenen, mehrfach geänderten, aber nie zu Ende gebrachten
Planungen wurden von der neuen Gemeindevertretung ins Archiv geschickt. Anlass
der Entscheidung während der konstituierenden Sitzung waren anstehende Gesetzesänderungen.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Wohnsiedlungs-Idee längst von der Zeit
überholt wurde. Bereits die alte Gemeindevertretung hatte im Jahr 2004 beschlossen,
die Arbeiten an den Unterlagen nicht fortzusetzen.

Insgesamt
elf Hektar Fläche sollte der Bebauungsplan "Sagraddel" umfassen.
So nennen die Schlepziger das Grünland zwischen dem Sportplatz und den Grundstücken
an Bergstraße und Kuschkower Straße. Davon wären, geht aus den
umfangreichen Unterlagen hervor, 2,4 Hektar bebaubar gewesen mit maximal
25 Häusern. Es wäre in dem rund 640 Einwohner zählenden Unterspreewald-Dorf
eine Neubausiedlung entstanden, die etwa die dreifache Größe eines
Fußballfeldes gehabt hätte.
Ein erster
Entwurf wurde Mitte 1993 öffentlich ausgelegt. Das löste wie
bei solchen Verfahren üblich einen umfangreichen Schriftwechsel mit
Behörden und Institutionen aus. Die Amtsverwaltung Unterspreewald hat jeden
einzelnen Schritt für die neuen Gemeindevertreter aufgelistet. Die so genannten
Träger öffentlicher Belange wurden zu Stellungnahmen aufgefordert. Betroffene
Schlepziger äußerten sich. Es folgten Überarbeitungen, Änderungen,
erneute Auslegungen. Die Jahre gingen ins Land.
Wie
aus den alten Erläuterungen hervorgeht, waren die Pläne von Anfang an
durchaus umstritten. Grundstückseigentümer lehnten einen Verkauf ihrer
Flächen von vornherein ab. Eine Lärmbelästigung aufgrund des nahen
Sportplatzes wurde als Kritikpunkt mehrfach erwähnt.
Ein
erster Satzungsbeschluss von November 2001 wurde im März 2004 aufgehoben.
Im Oktober 2004 verhängte die damalige Gemeindevertretung schließlich
einen Bearbeitungs-Stopp, da "zurzeit kein Handlungsbedarf besteht",
wie es hieß. Damit war aber das Verfahren noch nicht endgültig vom
Tisch. Erst jetzt, weitere vier Jahre und eine Wahlperiode später, wurde
ein Schlussstrich gezogen.
Das Amt drängte auf
eine Entscheidung für oder gegen das Wohngebiet "Sagraddel". Künftig
würden derartig große Neubausiedlungen auf dem Land nicht mehr zulässig
sein, erläuterte Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine. Das verbiete dann der
Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg. Nur genehmigte Bebauungspläne
fielen unter eine Bestandsschutz-Klausel.
Das sei
zwar Nötigung von der Landesregierung, so der neue Bürgermeister Werner
Hämmerling. Aber den zur Entscheidung stehenden Plan befürworte er nicht.
Ein solches Eigenheimgebiet in der Mitte des Ortes passe nicht in die Dorfstruktur.
"1993 hatte sicher jeder das Beste versucht. Im Nachgang wurden Beschlüsse
jedoch immer aufgeschoben. Es gab Zweifel, aber niemand beendete die Planungen."
Auch für die anderen Gemeindevertreter machte ein Festhalten an der Idee
keinen Sinn. Einstimmig wurden die Unterlagen ins Archiv geschickt. Den Steuerzahler
kostete das Projekt laut Amtsdirektor einst rund 17 000 Mark (etwa 8700 Euro).
Bauen
sei in Schlepzig dennoch weiter möglich. Dafür gebe es noch genügend
Lücken, so Bürgermeister Hämmerling.
Selbst
Planer Ralph Hunger hielt den Schritt der Gemeindevertreter für richtig.
"Es ist ein sauberer Schnitt", sagte er. Die Anfang der 1990er-Jahre
erhofften Einwohnerzuwächse seien nicht eingetreten, eine Siedlung in der
einst geplanten Größenordnung sei heute nicht mehr sinnvoll.
Von
Tilo Winkler
23.10.2008
Lausitzer Rundschau
Werner Hämmerling ist Schlepzigs
neuer Bürgermeister
Schlepzig Werner Hämmerling
ist neuer ehrenamtlicher Bürgermeister von Schlepzig.

Der
48-jährige Geschäftsführer des Seniorenheims in Schlepzig ist während
der konstituierenden Sitzung der Gemeindevertretung am Dienstagabend einstimmig
gewählt worden. Zur Stellvertreterin wurde ebenfalls einstimmig Sportmedizinerin
Martina Fritzenwallner (58) bestimmt.
Offensichtlich
war bis kurz vor Sitzungsbeginn nicht klar, wer sich von den Gemeindevertretern
als Bürgermeisterkandidat zur Verfügung stellen wird. Ursprünglich
habe er es abgelehnt, so Hämmerling aus Angst, nicht genügend
Zeit für das Bürgermeisteramt zu haben. Letztendlich habe er sich doch
anders entschieden.
"Für einen Neuling wird
es sicher nicht ganz einfach werden", sagte der neue Bürgermeister.
Er hoffe, dass die neuen Gemeindevertreter die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen
können.
Die neue Schlepziger Gemeindevertretung
wählte den Bürgermeister aus ihren Reihen, da sich zur Kommunalwahl
im September kein Kandidat gefunden hatte. Einen Nachrücker für Hämmerling
wird es nicht geben, da auf der Liste der Feuerwehr nur insgesamt drei Bewerber
standen und alle den Sprung ins Gemeindeparlament schafften.
Hämmerling
sieht zwei Schwerpunkte in der künftigen Arbeit der Abgeordneten: "den
Bau eines neuen Feuerwehrgebäudes und einer neuen Kita", sagte er. tw
22.10.2008
Lausitzer Rundschau
Fischer holen bei Schlepzig die
Ernte ein
Ein großer Teil der Karpfenzucht ist
schon aus den Teichen zwischen Lübben und Schlepzig geholt worden. Für
das Fischerfest am kommenden Wochenende haben die Petkampsberger Fischer jedoch
noch genügend Tiere im Wasser gelassen. Dann veranstalten sie das 16. Schaufischen
am Großen Inselteich in Schlepzig.

In
orangefarbenen, leuchtenden Gummianzügen stehen die Männer in der zentralen
Fischgrube. Dorthin wurde der Fang mittels Lockstrom geleitet. Dazu
wird der Teich mindestens zur Hälfte entleert. Mit Frischwasser, zu dem die
Fische stets streben, werden sie zur Grube gelockt, sagt Eckhart Bürger.
Er ist der Chef der Teichwirtschaft Petkampsberg, die zum Teichgut Peitz gehört.
Zusammengetrieben
und mit einem kleinen Kran abgekeschert, sortieren die Männer in einer schrägen
Wanne Karpfen, Rotfedern, Bleie, Zander, Hechte und Welse. Raubfische haben
wir immer als Nebenfische dabei, sagt Eckhart Bürger. Sie kämen
mit den natürlichen Wasserzuläufen und würden wilde Nahrungskonkurrenten
der Karpfen fressen. Natürlich muss man immer aufpassen, dass ihre
Zahl der Größe des Zuchtbestandes angepasst ist und diesen nicht gefährdet.
Eigentlich
sei es viel zu warm für die Fischerei. Die wechselwarmen Tiere springen
auf dem Sortiertisch nur so herum, ärgert sich Bürger mit voll
gespritzter Brille über die wärmenden Sonnenstrahlen. Etwa 30 Tonnen
Fisch würden die Männer dennoch pro Woche schaffen.
Immer
wieder hebt ein Bagger die sortierte lebende Fracht in mit Luft versorgte Becken
auf einem Lastkraftwagen. Anschließend geht diese in die Hälteranlage.
Dort sind die Fische jederzeit greifbar. Aber 90 Prozent der Speisekarpfen
sollen erst zu Weihnachten und Silvester frisch auf die Verkaufstische kommen.
Modrigen Geschmack müssten sie nicht verlieren. Denn damit haben wir
mit unseren Teichen keine Probleme, erklärt Bürger.
Etwa
160 Tonnen Karpfen und rund 17 Tonnen Streifenbarsche wollen die Fischer in diesem
Herbst aus den flachen Gewässern bei Schlepzig und Petkampsberg holen. Zusammen
mit den 25 Tonnen Satzkarpfen ein- und zweijährige Tiere, die noch
wachsen müssen gehen etwa 530 000 Fische durch ihre Hände. Deshalb
wurden die fünf Mitarbeiter, darunter ein Auszubildender, durch Erntehelfer
verstärkt. Wir brauchen immerhin zwei Monate für das Abfischen,
erklärt der Chef. Unter dem Eis wäre das unmöglich, wo die
Tiere aufgrund der Temperaturen ohnehin nicht mehr wachsen.
Der
vergangene Sommer habe den Spreewälder Fischzüchtern Sorgen bereitet.
Zwar gab es keine Trockenheitsprobleme wie vor zwei Jahren, aber es war
sehr kühl. Am besten wachsen die Fische bei 25 Grad Celsius. Die optimalen
Wassertemperaturen seien im Sommer nicht oft genug erreicht worden. Die Speisekarpfen
würden jetzt zwar zwischen 1,5 und 2,5 Kilogramm wiegen, blieben aber um
durchschnittlich 200 Gramm unter dem Unternehmensziel.
Nicht
nur das Wetter bereite Probleme. Die gesamte Wasserwirtschaft und der Wasserbau
machen einen erheblichen Teil des Aufwandes aus und müssen irgendwie bezahlt
werden. Futtermittel, Kraftstoffe und vor allem die Elektroenergie, von der wir
eine ganze Menge brauchen, werden stetig teurer, blickt Bürger sorgenvoll
auf die künftig entfallende Teichförderung. Das führt sicher
zur Aufgabe von Betrieben. Dazu kämen Schäden durch Kormorane,
Reiher und Fischotter. Um 30 Cent auf fünf Euro pro Kilogramm Speisekarpfen
sei der Preis in der Selbstvermarktung des Teichgutes angehoben worden. Letztendlich
war das für unser Teichgut Peitz überlebensnotwendig, um wenigstens
kostendeckend zu arbeiten.
von Jens Golombek
Lausitzer
Rundschau 5.8.2008
23 fantasievoll geschmückte
Kähne begeistern Hunderte Besucher
Schlepziger
Kahnkorso mit viel Liebe zum Detail
Den Höhepunkt
des Schlepziger Dorffestes bildete erneut der traditionelle Kahnkorso, der aufgrund
der großen Liebe zum Detail seiner Macher einer der sehenswertesten des
Spreewalds ist. Klein, aber fein, lobten die Hunderte Besucher, von
denen sich viele an der Mühlenbrücke in mehreren Reihen drängten.

Foto:
3N
Zum Finale des Korsos versammelten sich alle Kähne an der Mühlenbrücke.
Mit ihren Ideen für den Umzug auf den Fließen der Spree hatten die
Schlepziger ihre Dorffest-Besucher, die zum Teil von eigenen Kähnen aus das
Geschehen verfolgten, erneut begeistert.
Schon seit Wochen war in der Unterspreewald-Gemeinde
hinter geschlossenen Scheunen- und Hoftoren wieder Hämmern und Werkeln angesagt
gewesen, als die Ideen für die Gestaltung des Korsos umgesetzt wurden. Spaß
und Freude, aber auch manche Tüftelei gehören dazu, sagte Christoph
Haase, der mit Freunden Opas alte Landtechnik wieder funktionstüchtig gemacht
hatte. So tuckerte der erste Traktor von Schlepzig statt über
die Felder diesmal über die Fließe der Spree.
Summende
kleine Geister
Die kleinen (Plage)Geister summten gleich auf dem
Eröffnungskahn an den Zuschauern vorbei. Die jüngsten Schlepziger aus
der Kita «Libelle» waren als Biene, Hummel, Käfer und natürlich
als Mücke verkleidet. Manche Wünsche der vergangenen Wochen wurden beim
Kahnkorso wahr. So träumen die Fußballer vom ortsansässigen Verein
Grün-Weiß vom Aufstieg und versprühten einen Hauch von Fanmeile
links und rechts an den Ufern.
Aber auch Scheich Abdu Abdulaha
war mit seinen Haremsdamen und dem stakenden Eunuchen auf Kahntour
im Unterspreewald unterwegs. Dass es dabei nicht einfach war, den Kahn durch das
enge Fließlabyrinth zu bewegen, erkannte der gut betuchte Scheich
spätestens beim Rudelbruch seines Fährmanns. Jedoch wird das Miteinander
in Schlepzig groß geschrieben und so dauerte es keine Minute, bis vom Gastkahn
aus Lübben, der Liebe(s)Grüße überbrachte, Ersatz
gereicht wurde.
Auf dem Kahn der Muesumsküche wurden auf einem alten Kanonenofen
Plinse gebacken und Brotteig geknetet. Frischen Blechkuchen aus dem Lehmbackofen
gab es zu verkosten, während die Dorfkapelle Klimbim den richtigen
Takt vorgab.
Bürgermeisterin Heike Noah winkte vom Kahn der Taufgesellschaft
der ewig jungen Schlepzigerin Heulinde, die in Urgroßmutters Kinderwagen
lag. Der Schlepziger Kahnkorso ist seit Jahren eine Augenweide, denn jeder
bemüht sich, liebevoll seinen Kahn auszuschmücken, sagte Heike
Noah.
Dem stimmte die 79-jährige Elisabeth Wagner aus Berlin zu. Ich
hatte mit Freunden den Unterspreewald für das Wochenende als Ziel gewählt
und jetzt sitze ich auf dem Kahn mittendrin. Eigentlich sollten auf dem Kahn die
Schlepziger Jungfrauen posieren, aber der Fährmann hat wohl keine gefunden,
so dass ein paar ältere Damen den ansonsten leeren Kahn schmückten.
Einfach eine tolle Atmosphäre.
Ob das Hinterbackofenballett oder
die Tischlerei Sauer mit Einblicken in die Natur die zahlreichen
Gäste, die oftmals mit dem eigenen Kahn aus Lübben gekommen waren, lobten
alle Teilnehmer. Von Kahn 1 bis 23 war jeder für mich der Schönste,
weil die Ideen so verschieden waren und liebevoll umgesetzt wurden. Vor allem
aber warb keiner für irgendein neumodisches Produkt. Es war die fast vergessene
dörfliche Idylle, so Matthias Luban.
Rotkäppchen
im Wasser
Dass am Ende so mancher Teilnehmer baden ging, gehört zum Schlepziger
Kahnkorso beim großen Finale dazu. So schwammen nicht nur Rotkäppchen
und der Wolf unter den strengen Blicken von «Großmutter» Christiane
Petigk durch die Spree, weil sie von den Unterspreewälder Piraten geentert
worden waren.
Heiß ging es her, und die Herren des Neu Lübbenauer
Männerballetts sonnten sich unter den staunenden Blicken der Damenwelt am
Ufer, während die Männer vom Kahn der Spreewälderin Michaela
ein kühles Blondes gereicht bekamen. Die Kolonne der Schlepziger Kahnwaschstraße
hatte nach dem Finale alle Hände voll zu tun, denn nicht nur die Kähne
mussten wieder gereinigt werden, sondern auch die Ufer. Denn das Papier oder die
Becher der beliebten Gaben für die Gäste hatten diese allzu oft vergessen,
umweltgerecht zu entsorgen.
von Frank Selbitz
Lausitzer
Rundschau 4.8.2008
Unterhaltsames, abwechslungsreiches
Programm beim Dorffest
Kuchen aus dem Lehmbackofen
Verkaufsschlager in Schlepzig
Schlepzig. Mit einer
bunten Mischung aus traditionellem Handwerk und lukullischen Leckerbissen, dem
im Lehmbackofen des Schlepziger Bauernmuseums hausgebackenem Blechkuchen als Verkaufsschlager,
feierten die Unterspreewälder und ihre Gäste das Schlepziger Dorffest.
Neben dem regen Markttreiben waren die Auftritte des Hinterbackofenballetts und
des Heimatvereins die Höhepunkte des abwechslungsreichen Programms.

Foto:
3N
Das Hinterbackofenballett der Frauen (das Durchschnittsalter liegt bei über
70 Jahren) unterhielt das Publikum in Schlepzig, während vor und hinter dem
Festzelt der Regen niederging.Die kleinen Besucher des Dorffestes große
Freude an Wurfspielen im Märchenland.
Die «Schlepziger Gurkenmeile»
zwischen Bauernmuseum und Festgelände am Hafen war gut besucht, denn die
vielfältigsten Gurkenangebote, von hausgemachten Schnellgurken über
Senf- und Meerrettichgurken bis zur traditionellen Spreewälder Gewürzgurke
lockten nich nur die Lübbenerin Berta Paule und ihre Freunde zum Verkosten.
«Ob bei Richters oder Petigks, hier in Schlepzig hat jeder sein eigenes,
wohlschmeckendes Hausrezept» , lobte sie die Angebote, die vom Lübbener
Original «Gurken-Paul» ergänzt wurden. Aber auch Eier, Äpfel,
Bohnen , Kräuter und Tomaten, sowie Honig und Konfitüren standen für
die zahlreichen Gäste aus Sachsen, Brandenburg und Berlin zum Kauf bereit.
«Das
Dorf feiert sein Fest mit typisch dörflichem Angebot» , freute sich
Bürgermeisterin Heike Noah. Da gab es Spreewälder Brotmulden zu kaufen,
aber auch Töpferin Simone Kühn war aus dem Nachbarort Neu Lübbenau
angereist. Doch die längste Käuferschlange bildete sich vor Pflaumen-,
Streusel- und Kirschkuchen am Stand der Schlepziger Backfrauen. Für Rosi
Harmuth und Erika Kirschke gab es am Samstagnachmittag keine Zeit zum Verschnaufen,
denn der Besucherandrang war riesig.
Museumschefin Sabine Kamprad freute sich:
«Die Mühen der Arbeit haben sich gelohnt.» Lobende Worte gab
es von allen Seiten der Gäste. Diese hatten allerdings bei den letzten Regenschauern
im benachbarten Zelt Platz genommen und genossen das Programm mit Lokalkolorit.
Das Schlepziger Hinterbackofen-Ballett mit seinen Tänzen erfreute nicht nur,
sondern lockte bereits zur traditionellen Annemarie-Polka auf die Bühne.
Der
Schlepziger Heimatverein gab sein heiteres Programm «Schule anno dazumal»
zum Besten, und nicht nur die ältere Generation kam dabei zum Schmunzeln.
Diese hatten ihren Spaß vor allem an den Liedern des Finsterwalder Gastchores,
wobei nicht nur leise mitgesummt, sondern auch kräftig mitgesungen wurde.
Bürgermeisterin
Heike Noah zeigte sich über die Besucherresonanz zufrieden. «Trotz
des durchwachsenen Wetters kommen die Gäste und erfreuen sich am gemütlichen
Programm. Wir haben nicht die großen Stars auf die Bühne geholt, sondern
unsere eigenen Potenziale genutzt» , lobte sie Chef-Organisator Michael
Künzel.
Die Jüngsten hatten ihren Spass im Spreewälder Märchen-Spielplatz
mit den Clowns «Max & Moritz» , während Oma und Opa eine
gemütliche Kahnfahrt in den späten Nachmittagstunden bei sonnigem Wetter
unternahmen. «Hier ist für jeden etwas dabei» , sagte Paul Püschmann
aus Thalheim im Erzgebirge über das Dorffest, das am Sonntag mit dem traditionellen
Kahnkorso seinen Abschluss fand. Bis dahin war es bereits ein facettenreiches
Fest, das bei gemütlichem Tanz mit Tom Twist und Musik aus den 1950er Jahren
neu aufgelegt am Freitagabend begonnen hatte.
Von
Frank Selbitz
RUNDSCHAU-Sommertour
auf neuem Wasserweg und in der Brennerei
Kahnfahrt
durch Schlepzig mit Storchengeklapper
Schlepzig
aus ungewöhnlichen, aber schönen Blickwinkeln haben am Dienstag 30 Teilnehmer
der RUNDSCHAU-Sommertour für sich entdeckt. Sie gingen mit den Fährmännern
Andreas und Uwe Krüger in zwei Kähnen der fröhlichen Leute auf
Tour über den neuen Wasserweg, der durch den Ort führt.

Foto:
Roland Hottas
Schlepziger Entdeckungen vom Wasser aus haben am Dienstag 30
Teilnehmer an der RUNDSCHAU-Sommertour gemacht. Die Fährleute Andreas und
Uwe Krüger waren sachkundige Gesprächspartner.
«Schlepzig
ist ein Ort der Scheunen und der Fachwerkhäuser» , erklärte Andreas
Krüger während der gut einstündigen Fahrt. Auch von der Wasserstraße
aus war zu sehen, weshalb Schlepzig den Titel eines schönen Ortes im Land
Brandenburg verliehen bekam. So sind aus mancher ehemaligen Scheune, aus Ställen
schmucke Pensionen und Ferienhäuser entstanden. «Von der Wasserseite
aus kann man auf vielen Grundstücken sehen, was zuvor nicht zu sehen war»
, sagte Krüger. Für etliche Schlepziger war das ein guter Grund, Flächen
zu verschönern und ansehnlicher als zuvor zu machen. Das habe dem Ort gut
getan.
«Vorsicht Brücke
kommt!»
Während der Tour per Spreewaldkahn erscholl oft der warnende
Ruf «Kopf einziehen Brücke kommt!» . Andreas Krüger
erzählte seinen Gästen, dass viele der kleinen Brücken für
die Kahnfahrt ertüchtigt werden müssten und heute noch sehr niedrig
liegen. An diese Kahnroute, die erst im Frühjahr eröffnet wurde, hätten
Leute vor Jahrzehnten nicht gedacht. Um wieder durch Schlepzig mit dem Kahn fahren
zu können, sind insgesamt 993 600 Euro verbaut worden.
Aus einigen der
fünf bewohnten Storchenhorste in Schlepzig erscholl das Klappern hungriger
Jungstörche als Untermalung einer Fahrt durch die intakte Landschaft. Die
Gäste erfreuten sich an seltenen Pflanzen wie dem Wasserdost oder der Sumpfschwertlilie.
Ab und an sauste eine Gebänderte Prachtlibelle vorbei, wie Andreas Krüger
seinen Passagieren erklärte.
Die wurden als «Hilfsmatrosen»
selber aktiv. Beim Wendemanöver am kleinen Hafen des Hotels Müggenburg
half Regine Exner aus Lübben aus der Enge, weil ein anderer Kahn quer lag.
Der Kahn von Uwe Krüger hatte später weniger Not, weil Hotelier Günter
Schade für ihn Platz machte. Achim Göllnitz aus Dahme war der «Schleusenwärter»
an Poßlings Eckchen, wo er beim Hantieren mit den Stemmtoren sichtliche
Freude hatte und wohlbehalten wieder in den Kahn kam. Nach 60 erlebnisreichen
Minuten kamen die Sommertouristen im neuen Hafen des Landgasthofes an, wo sie
von Dr. Torsten Römer begrüßt wurden.
Besuch
im Landgasthof
«Schlepzig ist nicht nur landschaftlich schön, sondern
auch gastlich» , urteilte der Lübbener Franz Redlich. Er folgte wie
die anderen Gäste gern der Einladung Römers zum Rundgang über das
Gelände des Landgasthofes. Im begrünten Weidendom, dem ersten seiner
Art im Spreewald, erfuhren sie, dass dieses natürliche Bauwerk für Hochzeiten,
andere Feierlichkeiten und Konzerte genutzt wird. Römers Landgasthof ist
auch für die Brauerei sowie für edle Brände bekannt. Mehr als 120
Obstbäume mit zum Teil seltenen Sorten wie die Mispel und die Quitte wurden
gepflanzt und werden genutzt.
Im Brauhaus empfing Römer seine Besucher
mit je einem Glas «Schlepziger Hammer» , der Kräuterlikör
mundete schon in der Mittagsstunde. Römer berichtete von dem Spreewälder
Whisky, der in der Fachwelt Furore mache. Als neueste Kreation kündigte er
einen Spreewälder Rum an, der zurzeit im Entstehen sei. Auch spezielle Biere
seien in Kennerkreisen beliebt. Für den Spreewälder Gurkentag in Golßen
werde ein besonderes Bier gebraut werden, sagte Römer. (Detlef Simsch, LR
23.07.2008)
Schlepzigs
neue Kahnfahrt wird erkundet
Schlepzig.
Schlepzigs Fährmänner können ihre Gäste seit Mitte Mai nicht
mehr nur durch den Unterspreewald staken, sondern auch durch ihr Dorf. Mit Hilfe
von Fördermitteln hat die Gemeinde Fließe ausgebaggert und zwei neue
Schleusen gebaut.
Dadurch ist es möglich
geworden, dass die Fährmänner nun auch eine etwa einstündige Tour
anbieten, bei der die Gäste in die Gärten und auf die Höfe der
Schlepziger sehen, aber ebenso Spreewälder Natur genießen können.
Das will Fährmann Andreas Krüger den RUNDSCHAU-Lesern während der
Sommertour am 22. Juli zeigen. Start ist um 10 Uhr am Schlepziger Hafen, dessen
Pächter Krüger ist.
Er wird sich von den Sommertour-Teilnehmern nach
der Kahnfahrt am Strand des Landgasthofes «Zum grünen Strand der Spree»
verabschieden. Dort schließt sich eine Kurz-Besichtigung des Gasthof-Geländes
mit Weidendom, Baumhaus und Brauerei an. (dh)
Statt
der Gäste strömte bei der Premiere der Regen
Schlepziger
Hofspektakel mit vielen Ideen liebevoll gestaltet
Mit
vielen guten Ideen hatten sich die Schlepziger auf ihr erstes Hofspektakel im
und rund um das Bauernmuseum vorbereitet. Aber die Premiere ist wegen der vielen
Regenschauer nur von wenigen Gästen besucht worden. Doch die gute Laune ließen
sich die Unterspreewälder deshalb nicht verderben, sondern feierten miteinander
ausgelassen.

Foto:
3N
Anna Quitzke und Fabian Karl folgten gern der Aufforderung, die Pappkühe
bunt anzumalen, damit diese besser in das vielfältige Geschehen im und rund
um das Schlepziger Bauernmuseum passten.
Traurig bin ich schon ein wenig,
wenn ich an die tagelange Vorbereitung denke, bedauerte Sabine Kamprad,
Leiterin des Bauernmuseums. Wochenlang hatten wir schönes Wetter und
ausgerechnet zur Premiere unseres Schlepziger Hofspektakels muss uns Petrus einen
Strich durch die Rechnung machen.
Bürgermeisterin Heike Noah sah
es gelassener. Vielleicht haben wir alles bis aufs I-Tüpfelchen geplant
und nur den Vertrag mit Petrus vergessen? blinzelte sie verschmitzt. Rücken
Sie unter der großen Linde auf dem Museumshof etwas enger zusammen, das
schützte schon früher vor Regen, empfahl sie den Gästen und
auch die Schlepziger Rudi Garbe und Gottfried Vogler nahmen den Rat gern an.
Gebacken
und gesponnen
Der frische Obstkuchen aus dem Museums-Backofen mit einer Tasse
Kaffee schmeckten Egon und Karin Schmidt aus Stuttgart. Eigentlich müsste
ich jede Kuchensorte einmal kosten, so der Bäckermeister, «doch
erst vor einer Stunde habe ich die traditionelle Spreewälder Speise, Kartoffeln
und Quark mit frischem Leinöl verzehrt» , begründete er seine
Zurückhaltung. Ehefrau Karin hatte inzwischen den Schlepziger Spinnfrauen
Edith Baatz, Ehrentraud Scherch, Elli Brüschke und Helga Sogel auf die Finger
geschaut und aufmerksam dem Lied Wir spinnen, wir spinnen für ein frisches
Linnen gelauscht. Mundart-Autorin Edith Baatz hatte es extra geschrieben.
Zur Musik von Rudi Garbe drehten sich später auch die Röcke des Schlepziger
Hinterbackofen-Balletts.
Wie anno
dazumal
Aufgrund der Unbeständigkeit des Wetters nutzten zahlreiche Gäste
das Angebot eines Museumsrundgangs mit Sabine Kamprad. Da wurde den Küchenfrauen
Inge Petigk, Ilse Zech und Mariechen Bullan über die Schulter geschaut, die
fleißig unterstützt von Ines Krüger, Rita Putschke, Liane Haase
und Sabine Jentsch für das leibliche Wohl des Schwarms der Schoberbauer auf
dem hinteren Hofgelände sorgten. Regen brauchen wir zum Schobern nicht
gerade, blickte Anke Putschke zum Himmel, während sie am Waschbrett
für die Reinlichkeit von Omas Liebestötern sorgte.
Anna
Quitzke und Fabian Karl, die beiden Fünfjährigen, störte der Regen
nicht, waren die beiden doch beim Kuhmalen eifrig beschäftigt. Zwischendurch
rumpelte ein Bollerwagen über den Hof und Heulinde, die ewig
junge Schlepzigerin, wurde im alten Kinderwagen spazieren gefahren. Laura Putschke
vergnügte sich mit den Ziegen Lilli und Zilli. Der 86-jährige
Opa Armin erzählte nicht nur den Kindern beim Dengeln der Sense Geschichten
aus alten Zeiten. Es ist wie früher, strahlte der Senior der
Akteure.
Gäste aus allen deutschen Landen, meistens mit dem Fahrrad unterwegs
und eine Rast einlegend, besuchten das Schlepziger Hofspektakel. Monika Schiela,
die Gurkeneinlegerin, wurde nach ihrem Hausrezept gefragt und verriet, dass auf
jeden Fall Sauer kirschlaub und Weinstängel dazu gehören. Während
vor der Scheune Achim Schersch, Tobias Baatz, Matthias Noah und Rainer Putschke
im Rhythmus die Körner ausdroschen, hackte Andreas Jurk das Holz für
den Winter.
Petrus spült die
Wäsche
Der Einblick in das Leben auf einem Bauernhof war hochinteressant,
lobte Erwin Krause aus Kassel die Vorführungen. Das Angebot zum Kauf
von Weidenkörben und Honig passte dazu. Hier stimmte das Konzept. Wegen
des Regens, der sich mittlerweile zum Wolkenbruch ver stärkt hatte, brauchten
Heike Noah und Anke Putschke als Wäschefrauen nicht den Schwengel der alten
Wasserpumpe zu schwingen, zumal darin ein Vogelpärchen brütete. Gespült
wird die Wäsche bei uns von Petrus, so die Bürgermeisterin lachend.
von
Frank Selbitz
Schlepziger
Verein feiert Jubiläum im Museum / Weitere Höhepunkte
Maifest
im Geist der Trachten und Blaudruckschürzen
Schlepzig.
Sein zehnjähriges Bestehen hat der Traditions- und Heimatverein Schlepzig
mit einem Maifest im örtlichen Bauernmuseum gefeiert. Ein buntes Programmangebot
lockte Schlepziger und Gäste auf den Museumshof.

Foto:
Jens Golombek
Maifest in Schlepzig: Der Traditions- und Heimatverein des Ortes
feierte sein zehnjähriges Bestehen. Die Vereinsmitglieder in ihren Blaudruckschürzen
sangen sich und ihren Gästen ein Geburtstagsständchen.
Frisch gewaschene
Leinenhemden flatterten an der Wäscheleine, die quer über die kleine
Wiese hinter der Museumsscheune gespannt war. Bienenstich, Apfel-, Kirsch-, Rhabarber-,
Streusel- und Zuckerkuchen, der Blechkuchen von Rosi Harmuth, duftete aus dem
Lehmbackofen. Im Schatten der mehr als 60 Jahre alten Linde auf dem Museumshof
waren die Bänke schnell mit Festgästen gefüllt. Bäuerlich-traditionelle
Atmosphäre wehte über den Hof des Schlepziger Bauernmuseums, als die
feiernden Vereinsmitglieder das Schlepziger Heimatlied vortrugen und die Fröhlichen
Hechte ihre Blasmusik anstimmten.
In ihrer Festrede erinnerte Vereinsvorsitzende
Monika Schiela an die Geschichte des Vereins. Anfang März 1998 fanden
sich auf der vom damaligen Bürgermeister Vogler einberufenen Gründungsversammlung
spontan 22 Mitglieder. Heute seien es mehr als 60.
Traditions- und Brauchtumspflege
steht auf den Vereinsfahnen. Der Verein wolle besonders den Erhalt des wunderschönen
Bauernmuseums unterstützen, so Monika Schiela. «Deshalb finden hier
auch die meisten Aktionen statt.»
Lesungen aus Dorfchronik und Märchenbüchern
finden regelmäßig statt, jährlich wird ein Heimatbrief herausgegeben.
Monika Schiela dankte den Mitgliedern «für die Bereitschaft, Aufgaben
zu übernehmen» , und hoffte, «dass diese Bereitschaft erhalten
bleibt und der Verein so noch viele Jahre bestehen wird» .
Das Hinterbackofenballett
begeisterte die Jubiläumsgäste mit Tanzeinlagen aus der Schlepziger
Region, ebenso mit dem Bänder- und Jägertanz. Die Schlepziger Kindertagesstätte
und die Pretschener Saloonmäuse zeigten ihre Programme. Ilse Zech und Mariechen
Bullan überraschten mit der Aufführung eines Sketches auf der hölzernen
Bühne. Höhepunkt und Abschluss des Festprogramms war der Frauenchor
Lübben mit seiner Trachtengruppe.
Zum Thema Die nächsten Vorhaben
Neben
dem Kahnkorso Anfang August steht ein weiterer voraussichtlicher Höhepunkt
ganz groß im Vereinskalender der Traditions- und Heimatverbundenen. Am
29. Juni ist ein großes Hofspektakel unter dem Motto ,Der Hof lebt!
geplant, worauf wir uns schon ganz besonders freuen, kündigt Monika
Schiela an.
Von Jens Golombek
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